Hanfprodukte gelten seit Langem als interessant für medizinische Anwendungen. In Deutschland ist der Besitz und Konsum von Cannabis seit April 2024 unter bestimmten Umständen legalisiert. Dabei wird gerade der Hauptwirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC), der für den Rausch verantwortlich ist, immer stärker in der Forschung betrachtet. Neue Studien deuten darauf hin, dass THC nicht nur entspannend wirkt, sondern auch bei verschiedenen Beschwerden helfen könnte. Die Effekte reichen von möglichen positiven Einflüssen auf Schmerzen und psychische Verstimmungen bis hin zu ersten Hinweisen, dass THC bei der Erhaltung der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter unterstützen könnte.
Der Einfluss von THC auf die Gehirnleistung
Ein deutsch-israelisches Forscherteam hat in Versuchen mit Mäusen herausgefunden, dass eine regelmäßig verabreichte geringe Dosis THC ältere Tiere in einigen kognitiven Bereichen fast so leistungsfähig macht wie jüngere. Im Vordergrund stand dabei das Potenzial, die Gedächtnisleistung zu verbessern und altersbedingte Einschränkungen der Denkfähigkeit abzumildern. Entscheidend scheint der Einfluss von THC auf bestimmte Proteine und Signalwege im Gehirn zu sein, die für die Bildung neuer Synapsen wichtig sind. Synapsen sind die Kontaktstellen zwischen Nervenzellen und bilden die Grundlage für alle Prozesse des Denkens, Lernens und Erinnerns.
Nach der Verabreichung von geringen Mengen THC bemerkten die Forschenden, dass ältere Mäuse ihre Fähigkeit zur Problemlösung und zum Navigieren in neuen Umgebungen steigerten. Das legt nahe, dass dieser Wirkstoff nicht nur eine vorübergehende Veränderung der Wahrnehmung bewirkt, sondern tiefgreifende Mechanismen in Gang setzt, die für die neuronale Plastizität ausschlaggebend sind. Diese Plastizität ist nötig, um das Gehirn flexibel und anpassungsfähig zu halten.
Mitunter stellt sich die Frage beim Kauf von Hanfsamen beim Handel nach dem THC-Gehalt der späteren Cannabispflanze und der damit verbundenen Wirkung auf den menschlichen Organismus.
Wenn das OK für Euch ist, dann stelle ich morgen den Artikel ein.
Protein mTOR – offenbar ein Schlüsselmechanismus
Für die steigende Aufmerksamkeit rund um THC ist besonders ein Protein namens mTOR verantwortlich, das in allen Säugetieren vorkommt und wesentlich am Stoffwechsel beteiligt ist. Dieser sogenannte Stoffwechsel-Schalter beeinflusst das Zellwachstum und steht damit in direkter Verbindung zu Prozessen des Alterns. Einige Studien legen nahe, dass eine sorgfältig dosierte Langzeiteinnahme von THC in der Lage ist, die Aktivität von mTOR im Gehirn zu stimulieren.
In anderen Regionen des Körpers wiederum scheint THC dafür zu sorgen, dass die mTOR-Aktivität zurückgeht, was zum verlangsamten Altern der Zellen beitragen kann. Der Organismus versetzt sich auf diese Weise in eine Art Schonmodus, in dem die Regeneration unterstützt wird. Wenn die Alterung der Zellen im gesamten Körper verlangsamt wird, liegt der Gedanke nahe, dass langfristig nicht nur das Gehirn, sondern auch das Immunsystem und andere wichtige Systeme davon profitieren können.
Perspektiven für den medizinischen Einsatz
Die Kombination aus gesteigerter Gehirnleistung und dem potenziellen Anti-Aging-Effekt weckt Hoffnungen, dass THC gezielt bei altersbedingten Erkrankungen eingesetzt werden kann. Gerade bei demenziellen Veränderungen oder depressiver Verstimmung im Alter wäre ein schonender Ansatz, der die Gehirnaktivität positiv beeinflusst, von großer Bedeutung. Die Wissenschaft steht jedoch noch am Anfang, wenn es um die Übertragung der Erkenntnisse von Nagetiermodellen auf den Menschen geht. Klinische Studien, in denen Patienten über längere Zeit beobachtet werden, müssen erst zeigen, ob sich die Befunde eindeutig bestätigen lassen. Sobald mehr Daten vorliegen, könnte das Spektrum möglicher Anwendungen aber spürbar anwachsen.
Denkbar wären verschreibungspflichtige Präparate, die in exakt abgestimmten Dosierungen eine nachweisliche Verbesserung der kognitiven Funktionen bewirken. Bis dahin bleibt der Blick auf die aktuellen Forschungsergebnisse ein motivierendes Signal für Wissenschaft und Medizin: Die Hanfpflanze liefert mehr als nur psychoaktive Rauschwirkungen und lässt sich bei angemessener Anwendung als wertvolle Ressource für neuartige Therapien betrachten.
Spezialist für Fachbücher aus Akupunktur, Traditioneller Chinesischer Medizin, Qigong, Naturheilverfahren, Homöopathie und Physiotherapie. Jährlich auf vielen, wichtigen Kongressen wie der TCM-Kongress in Rothenburg, dem ASA-Kongress und dem Tao-Kongress in Österreich vertreten. Seit Jahren Verlagsleiter eines Verlages für TCM, Akupunktur und Homöopathie.